Schrubben, Schachten, Schippen im Sommerbad (Volksstimme vom 08.04.2015)

Hand in Hand in die 41.Saison (Volksstimme vom 26.05.2015)

Motivationsschub für Freibad-Retter (Volksstimme vom 25.01.2016)

Helfende Hände machen Sommerparty zum Erfolg (Volksstimme vom 08.08.2016)

Carmen Giese geht von der Brücke

Über mehrere Jahre war die 57-Jährige als Vize-Chefin im Vorstand des Langensteiner Freibad-Fördervereins aktiv. Mehr noch: Die agile Gymnasiallehrerin wurde nach außen hin von vielen sogar als „heimliche“ Vorsitzende wahrgenommen. Ein Eindruck, dem sie inhaltlich mit allem Nachdruck widerspricht: „Als 2013 zwei Vorstandsmitglieder ausgeschieden sind, wurde ich neben Rolf Guckland vorgeschlagen und habe diese Herausforderung angenommen. Er war schon immer der Techniker im Hintergrund, während ich eher den aktiven Part nach außen hin übernommen habe“, sagt sie und betont: „Wir beide haben uns immer perfekt ergänzt.“

Dass sie nun den Schritt zurück in die zweite Reihe des Vereins gemacht und nicht wieder kandidiert habe, sei ihr nicht leicht gefallen. „Ich muss aber aus ganz persönlichen, gesundheitlichen Gründen einfach kürzer treten“, sagt sie. Die permanente Mehrfachbelastung mit Schule, Abiturklassen und dem Verein auf der einen und die privaten Verpflichtungen und Aufgaben auf der anderen Seite hätten auf Dauer einfach zu viel Kraft gefordert. So viel, dass sie ein Alarmzeichen ihres Körpers Ende 2016 auch als solches registriert und nun eben einige Konsequenzen gezogen habe.

„Ich werde aber weiter im Verein Mitglied bleiben und auch aktiv sein“, versichert die 57-Jährige. Ihren Rückzug nach vier Jahren an der Vereinsspitze verbindet Carmen Giese mit einem mahnenden Appell in Richtung der Vereinsmitglieder und insbesondere an die Adresse der jüngeren Generation: „Die allgemeine Feststellung, dass immer weniger Vereinsmitglieder einen aktiven Part übernehmen und sie obendrein auch noch älter werden, trügt nicht. Und das macht uns schon Sorge.“

Ein Trend, der in Langenstein seit Jahren zu bemerken sei. Als das Bad 2011 gänzlich auf der Kippe stand und die Schließung drohte, waren es findige Macher wie der heutige Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU), die die Vereinsidee entwickelten. Es waren aber auch viele engagierte Langensteiner, die mit anpacken wollten. Darunter einige, die das Bad Anfang der 1970er Jahre mit aufgebaut hatten. Damals schöpften sie Kraft und engagierten sich, um das Sommerbad – und damit ihr Werk – vor dem Untergang zu bewahren. Mittlerweile sind viele von ihnen allein altersbedingt auch an Grenzen gestoßen.

Ein Trend, den Carmen Giese sieht. Ein gefährlicher. Wenn es nicht gelinge, jüngere Leute, die auch einen aktiven Part zu übernehmen bereit seien, im Verein zu binden. „Deshalb bin ich sehr froh, dass nun mit Marcus Brüser ein recht junges Vereinsmitglied an meine Stelle nachrückt.“

Und: Marcus Brüser, der ebenso wie Carmen Giese zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört, drückt mit 33 Jahren nicht nur den Altersschnitt ordentlich nach unten, sondern hat obendrein eine ganz persönliche Bindung zum Sommerbad. „Mein Großvater Hans-Georg hat als Bürgermeister in den 1970er Jahren zusammen mit Hansi Schröder und den damaligen stellvertretenden Bürgermeister Dieter Elster den Bau des Freibades angeschoben“, berichtet er mit einigem Stolz in der Stimme.

Da dürfte es für den jungen Elektroinstallateur nun eine besondere Ehre sein, gewissermaßen in die Fußstapfen des Großvaters zu treten. Die Sorgen von Carmen Giese und den anderen Mitstreitern an der Vereinsspitze teilt Marcus Brüser: „Es sollte das ultimative Ziel sein, dass sich mehr jüngere Leute einbringen.“ Wahrscheinlich fehle vielen Jüngeren – im Vergleich zu den Senioren – aber schlicht die emotionale Bindung zum Sommerbad.

Vielleicht auch deshalb konstatiert der Verein leicht rückläufige Mitgliederzahlen: Nach einer Spitze mit 258 Mitgliedern im Jahr 2015 stagniere die Zahl seither bei 224, berichtet Carmen Giese. Und von denen sei eben nur ein gewisser Teil bereit, auch aktiv mit anzupacken. „Wir sehen da fast immer dieselben Gesichter.“ Deshalb freue sie beispielsweise das Engagement von Andreas Karger. Der frühere leitende Angestellte im Rathaus Halberstadt sei zwar kein Vereinsmitglied, bringe sich im Ruhestand aber ein und sitze regelmäßig freiwillig im Kassenhäuschen des Freibads.

„Ich habe damals von Amts wegen die Vereinsgründung begleitet und fand diese Initiative so klasse, dass ich sie heute ganz persönlich unterstützen möchte“, so der frühere Abteilungsleiter für Kinder, Jugend und Sport im Rathaus. „Und ich drücke dem Verein die Daumen, dass es immer so weitergehen kann“, so der 66-Jährige.

„Das ist ein Engagement, das wir uns öfter wünschen würden“, sagt Carmen Giese. „Viele Mitglieder sehen ihr Engagement aber leider auf die Zahlung des Mitgliedsbeitrages beschränkt und erkaufen sich damit zugleich eine Saison-Eintrittskarte“, ergänzt ihr Nachfolger. Genau das sei fatal: „Wir brauchen auch helfende Hände, um unser Bad in die Zukunft zu retten“, betont der 33-Jährige, der mit gutem und ganz praktischen Beispiel vorangeht: „Um den Verein zu unterstützen, habe ich meinen Rettungsschwimmer-Schein gemacht und engagiere mich jetzt in dieser Funktion.“

Und – was ist Carmen Giese noch wichtig? Die Sportlehrerin, die zusammen mit einem Mitstreiter drei Jahre lang die Schwimmfreizeiten im Sommerbad organisiert und kleinen „Seepferdchen“ und „Seeräubern“ das Schwimmen beigebracht hat, hofft auch hier auf einen Nachfolger. Schließlich sei das ein guter Weg, die Kinder emotional ans Freibad zu binden. Und sonst? „Ich bin garantiert nicht aus der Welt. Schließlich möchte ich auch künftig in die Gesichter zufriedener Gäste schauen. Das ist schließlich der schönste Lohn für unser Engagement.“

 

Quelle: Volksstimme vom 16.11.2017

Eintrittspreise

Tageskarten

Kinder (4-17 Jahre)            2,00 €
ab 1 Std. vor Badeschluss  1,00 €
Erwachsene (ab 18 Jahre) 4,00 €
ab 1 Std. vor Badeschluss   2,00 €

Zehnerkarten
Kinder (4-17 Jahre)            18,00 €
Erwachsene (ab 18)         36,00 €


Jahreskarten

Kinder (4-17 Jahre)            40,00 €
Erwachsene (ab 18) 60,00 €